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Die Güte Der Entscheidung – Strategien Für Führungskräfte – Podcast Folge #005

Die Güte der Entscheidung – Strategien für Führungskräfte – Podcast Folge #005

Was ist eine gute Entscheidung? Heute möchte ich mich mit Ihnen über eine einfache Frage unterhalten. Die Frage ist einfach – die Antwort – entscheiden Sie selbst – am Ende vom Podcast. Die Frage mit der wir uns beschäftigen ist, was ist eine gute Entscheidung. Wie treffe ich denn eine gute Entscheidung. Was mache ich denn das fest? Was ist die Güte der Entscheidung? Wie kann man das messen? Wie kann man sich daran orientieren als Führungskraft – auch ethisch? Wie begründe ich selbst für mich, wenn ich vor dem Spiegel stehe – ist es eine gute Entscheidung, die auf mich zukommt – die ich treffen muss oder die treffen musste. Ein paar Impulse dazu, wie man die Belastbarkeit einer guten Entscheidung verifiziert kann – ganz für sich persönlich.

Unsere Fürsorgepflicht ist keine Kleinigkeit:

Die erste Frage, die ich mir stelle um eine gute Entscheidung zu treffen, ist banal und doch tiefgreifend. Ist meine Entscheidung die ich treffe – oder treffen soll – legal? Was geht in Ihrem Kopf vor, wenn ich diese Frage formuliere? Klar, selbstverständlich, wir machen doch nichts illegales, geht doch gar nicht. Aber ich bin in sehr vielen Industriefirmen unterwegs, habe viele Gespräche, aus denen die Frage der Legalität hervorgeht.

Das ist mein Kredo – mein Bereich, in dem ich mich sehr gut auskenne. Mehr als 10 Stunden arbeiten? Ich komme aus dem Dienstleistungsbereich heraus und weiß sehr wohl, was es bedeutet beim Kunden seine Arbeit zu verrichten. Acht Stunden fakturierbare Arbeit zu leisten und dann noch heimzufahren. Was ist mit 48 Stunden und mehr pro Woche? Wie sieht es auch mit Schichtzeiten einhalten und Ruhezeiten dazwischen?

Ich kann mich noch ganz gut erinnern, als ich Personalchef war – als die Berufsgenossenschaft mich gefragt hat: Sie, da ist ein Unfall passiert – Ihr Mitarbeiter der ist nachts um 0:30 Uhr eingeschlafen – Sekundenschlaf – und ist deshalb aufgefahren – auf den Vordermann. Es war ein LKW – mit Stangenmaterial geladen – Stabstahl aus Edelstahl.

Und wenn man die Bilder des kaputten Autos sieht, bekommt man heute noch Gänsehaut. Da denkt man heute noch: Das hätte auch schlimmer ausgehen können. Dem Mann ging es einigermaßen gut. Er hat wirklich Glück im Unglück gehabt. Aber das Auto wurde aufgespießt. Und da ist die Frage berechtigt: Wie sieht´s denn aus: Mehr als 10 Stunden arbeiten. Hat der Mitarbeiter das aus eigener Initiative gemacht oder gibt es dazu eine Regelung? Habe ich dafür Sorge getragen auch als Arbeitgebervertreter in der Fürsorgepflicht? Hab ich meine Aufgabe wahrgenommen, dass der Mitarbeiter vielleicht doch übernachtet?

Ist meine Entscheidung legal?

Ich habe mal einen Chef gehabt der mir deutlich gemacht hat, dass seine Gehaltsabrechnung als Geschäftsführer nicht stimmen würde. Genauer: Seine 1 % Regelung für´s Auto würde nicht stimmen. Ich habe es nicht kapiert, weil selbstverständlich ich als Personalchef das höchste Interesse hatte, die Abrechnung des Geschäftsführers korrekt zu machen. Schließlich habe ich den Vertrag auch selbst entworfen und wusste natürlich, was drin steht. Und trotzdem scheint er falsch gewesen zu sein. Zum Schluss hat sich dann herausgestellt, er mokiert sich nicht wegen der 1%-Regelung, sondern er mokierte sich wegen der 0,03 % (Entfernung Wohnung – Arbeitsstätte). Wer ein Firmenfahrzeug fährt, weiß von was ich spreche. Und wir haben festgestellt, er wohnt nicht am Ort. Er wollte das draußen haben. Ich möchte dazu nicht viel sagen, nur so viel: Das war heftig. Im Prinzip geht es hier um Steuerbetrug. Diese 0,03 % rauszunehmen und einen Ort anzugeben, an dem er vor Ort wohnt, damit er das Auto nicht braucht. In Wirklichkeit hat das aber nicht gestimmt.

Ist das eine gute Entscheidung, wenn die jemand trifft? Und vor allem: Was macht die Entscheidung mit den Betroffenen? Der Chef hat MIR eigentlich nicht mehr viel sagen können, was mein Wertesystem angeht. Wenn er schon in dieser Situation mir sagt, wie ich es zu machen hätte.

Die Frage nach dem Nutzen

Die zweite Frage die ich mir stelle, ob eine Entscheidung eine Gute ist, ist ein Begriff, den ich vorher noch gar nicht kannte. Erst, als ich mich mit dem Thema beschäftigt habe. Eine gute Entscheidung ist sie, wenn sie dem Utilitarismus standhält. Man kann es sich gut merken – das Wort stammt aus englischen Begriff „util“. Utilitarismus und will damit sagen, von Führungskraft zur Entscheidung ob sie gut ist, bringt die Entscheidung, den größten Nutzen für die größte Zahl der Beteiligten oder Betroffenen.

Ich möchte auch dazu ein Beispiel geben, damit klar ist um was es geht – wenn es um Utilitarismus geht. Beispiel Urlaubsplanung. Wir hatten damals keine. Und unser Mitarbeiter (unser sehr guter Mitarbeiter, der wirklich sehr gute Ergebnisse erzielt hat) wollte einmal alle Urlaubstage zusammenfassen über mehrere Jahre hinweg, damit er mal die Chance hatte über einen längeren Zeitraum (1-2 Jahre) hinweg weiter weg Urlaub zu machen. Eine kleine Weltreise. Ich – in meiner engagierten Art und Weise als junger Personalchef sage: Selbstverständlich, das bekommen wir hin. Du bist gut, das hast du dir verdient, das machen wir. Ich habe aber die Regel für eine gute Entscheidung missachtet: Utilitarismus. Das habe ich mit ihm gemacht – leider, leider kam dann auch einige Zeit später, als der Mitarbeiter dann wieder aus seinem Urlaub zurück kam (er war drei Monate weg) – ein weiterer Mitarbeiter mit den Anspruch: Ich will auch drei Monate haben. Allerdings ist er in seiner Performance in keiner Weise vergleichbar mit dem vorherigen Mitarbeiter zu vergleichen. Und siehe da, ich musste ihm den Urlaub auch geben, obwohl es mir gegen den Strich geht.

Ich hatte eine Einzelfall-Entscheidung getroffen und festgestellt die ich nicht immer bei allen anwenden kann. Jetzt muss ich das trotzdem machen. Denken Sie also bei Einzelfall-Entscheidungen immer an diese besondere Entscheidungsgüte „Utilitarismus“.

Entscheidungskriterium: kategorischer Imperativ

Als Ausbaustufe – dritter Punkt – neben Legalität und Utilitarismus kommt der sogenannte kategorische Imperativ. Wünsche ich, dass das Kriterium für die allgemeine Entscheidung das allgemein gültige Kriterium sein kann. Immanuel Kant hat diese Form als grundlegendes Prinzip der Ethik manifestiert.

Hier kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber der Grundgedanke ist nicht schlecht. Ich komme aus einem Bereich und kenne mich als Software-Entwicklungschef aus, was es heißt „Standards“ zu produzieren und nicht „Individualität“. Es ist also eine Weiterführung des Utilitarismus. Kategorischer Imperativ – wird das als Entscheidung auch ein allgemein gültiger Standard. Wird’s damit eine gute Entscheidung.

Der Fernseh-Test macht´s sichtbar

Als nächster Punkt kommt der sogenannte Fernsehtest. Der ist einfach gesagt – den können Sie sich supergut vorstellen. Fälle ich die Entscheidung so, als wenn ich sie direkt so live im Fernsehen aufgezeichnet wird und es gezeigt wird. Und vertrete ich die auch, wenn die Kameras laufen. Mancher würde eine Entscheidung dann so genau nicht treffen.

Entscheidung wie aus der Bibel

Fünftes Hilfsmittel oder Regel, um eine gute Entscheidung zu treffen heißt, die Goldene Regel. Interessanter Weise kommt diese Regel sogar aus der Bibel. So dieser Gedanke – wünsche ich, dass mir das Gleiche auch widerfährt? So der Gedanke, was ich nicht will, was man mir antut, dass füg auch keinem andern zu. Das heißt jetzt natürlich auch nicht, dass ich als Personalchef keinem kündigen darf, weil ich auch nicht gekündigt werden will. Aber die goldene Regel könnte heißen, wie will denn ich gerne gekündigt werden. Im Rahmen des drum-rums – entsprechend meiner Werte. Rotz ich das einfach nur hin mit den Worten: Unterschreib rechts unten „erhalten“ – oder schaff ich durch die „goldene Regel“, dass ich das so mache, wie ich es auch erfahren möchte.

Schöner Gedanke, dass wir das dann auch so tun, dass es auch durchgehalten wird im Sinne der goldenen Regel.

Vertrauensvoller Berater hilft

Sechster Test, den man machen kann für eine gute Entscheidung: Den sogenannten Beratungs-Test. Rät mir ein unparteiischer Freund auch zu dieser Entscheidung? Er ist weiter weg vom Thema und sieht es vielleicht nur mit einem Drauf-Blick. Beim Erklären kommen vielleicht noch weitere Gedanken dazu. Das hat was. Nicht im klassischen Sinne des Berateransatzes, sondern einfach, es berät mich ein unparteiischer, vertrauensvoller Freund und bestärkt mich bei einer Entscheidung – vor allem wenn es sich um eine wichtige Entscheidung handelt.

Eine Sonderform besonders nach diesem sechsten Punkt Berater-Test, das ist ein Test, den man sich vor allem, wenn man sich in den Spiegel schaut, für sich in Anspruch nehmen kann: Der sogenannte Familientest. Was sagen meine Kinder dazu. Klar müssen sie das entsprechende Alter haben, müssen ein wenig die Hintergründe kennen – den Background haben. Aber in Wirklichkeit nicht einmal das. Kann ich das auch gegenüber meinen Kindern auch in der Zukunft vertreten. Familien-Test – kann ich gerne ergänzen um Familienmitglieder, Verwandte, Ehepartner, nahe Freunde – wer auch immer das sein mag und mein Vertrauen genießt.

Eine gute Entscheidung besteht den Schluss-Test

Und noch einer, der es vermag uns zu helfen eine gute Entscheidung zu treffen, als Führungskraft. Es ist der sogenannte Schluss-Test. Eine ganz einfache Fragestellung: Was soll zu dieser Entscheidung, die ich jetzt gerade treffe auf meinem Grabstein stehen? Zugegeben: Sehr übertrieben. Man könnte auch sagen, was möchte ich, was im Rückblick über mich gesagt wird. Was möchte ich, wenn ich irgendwo hin befördert werde bspw. in eine andere Position komme. Was möchte ich, was soll zu dieser Entscheidung auf meiner Visitenkarte stehen. Wenn ich aus der Firma austrete, wenn ich in Rente gehe oder wenn ich den Arbeitsplatz wechsle: „Was soll auf meinem Grabstein – im übertragenen Sinne – stehen“ – rückblickend – eben den Schlusstest machen.

Und dann habe ich noch einen, Ihnen vielleicht bekannten Menschen: Manfred Maus, ihn habe ich mal in einer Unternehmer-Runde gehört und darf ihn hier auch mal zitieren. Manfred Maus – als OBI Gründer – ihn hat man auch mal gefragt, wie so manche Entscheidungen getroffen wurden und er hat dann mal gesagt: Wenn das, was du tun willst nicht herauskommen darf, dann tu´s nicht.

Also wenn das, was du tun willst nicht herauskommen darf, dann lass es – dann tu´s nicht!!! Hat auch was – um letztendlich eine gute Entscheidung zu treffen.

Das waren jetzt so ein paar Impulse. Wissend, dass diese jetzt nicht auf den Einzelfall immer und alle zutreffen, aber das die Möglichkeit schafft, Entscheidungen zu hinterfragen: Was bedeutet eine gute Entscheidung. Ist sie legal, Utilitarismus, kategorischer Imperativ, Fernsehtest, Goldene Regel, Beratertest, Familientest, Schlusstest oder ich sag´s einfach mal so: „Manfred Maus Test“: Wenn du nicht willst, das es herauskommt was du machst, dann lasse es.

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Podcast Folge #005

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