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Loben Sie Ihre Mitarbeiter – Podcast Folge #007

Loben Sie Ihre Mitarbeiter – Podcast Folge #007

Mitarbeiter loben – ist das wirklich sinnvoll? Heute geht es um´s richtiges Loben. Mal Hand auf´s Herz. Wer mag es nicht, gelobt zu werden – das gilt nicht nur für Kinder, Freunde oder Partner, das gilt auch im Geschäft. Und ein Lob tut der Seele richtig gut.

Vom Märchen „Loben Sie Ihre Mitarbeiter“

„Herr Degenhart, ich habe das Gefühl, dass Sie sich für die Präsentation unserer Firma und das von Ihnen in Kleinarbeit erstellte Konzept zur Realisierung der Kundenanforderungen richtig ins Zeug gelegt haben. Das war beeindruckend, wie kompetent, klar und zielstrebig alle wichtigen Aspekte thematisiert und Lösungen aufgezeigt wurden. Heute Morgen hat mich der Interessent angerufen, dass er uns den Zuschlag gibt. Er war von unserem Termin gestern so beeindruckt, dass er davon überzeugt ist, dass wir seinen Anforderungen gerecht werden. Ich glaube, Sie haben mit dem heutigen Tag einen neuen, für uns sehr wichtigen Kunden gewonnen. Ohne Sie, Herr Degenhart wäre uns das so nicht gelungen. Ich gratuliere Ihnen zu dieser tollen Leistung. Vielen Dank“.

Welch´ ein Lob! Es wird seine Wirkung nicht verfehlen! Oder doch?

Stellen Sie sich aber folgendes vor:

  • Es sagt der Chef – der Lob sonst nie über seine Lippen kommen lässt – wow!
  • Es ist der direkte Vorgesetzte – von ihm habe ich dieses Lob erwartet – o.k.!
  • Es hört der Kollege, der mit ihnen zusammenarbeitet, und nichts vom Lob abbekommt. Ups!
  • Es bekommt der Kollege mit, der sich bei seiner letzten Präsentation auch mächtig ins Zeug gelegt hat und es kam kein Lob bei ihm an. (:-((
  • Es heuchelt der Vertriebsmann diese Aussage, der diesen Auftrag gerne gemacht hätte – Mist!

Merken Sie was?!

Richtiges Loben will gelernt sein

Richtiges Loben will gelernt sein. Verabschieden Sie sich schon mal von der Pauschal-Aussage, die oft in der Managementliteratur zu lesen ist oder in Führungsseminaren den Teilnehmern beigebracht wird: „Liebe Führungskräfte: Loben sie ihre Mitarbeiter“. Das setzt positive Energie frei, das motiviert. Das stimmt so nicht, dieser Schuss kann mächtig nach hinten losgehen.

Leider hat genau diese Schwierigkeit Fehlentwicklungen in der Sprache provoziert:

Wenn was wirklich gut und lobenswert war, wird insbesondere im Schwabenländle auf Aussagen wie diese verwiesen:

„net gscholta, isch globt“
„des war net ganz schlecht“
„Worom solld ich den loba, mich lobt au koiner“

Wie läuft das in der Praxis? Sie beherzigen den Rat und loben ihre Mitarbeiter. Sie tun dies so oft es geht. Sie wollen ja schließlich motivierte Mitarbeiter haben.

Aber denken Sie nun einen Schritt weiter. Sie loben zum zweiten, dritten, zum x-ten Mal – der Mitarbeiter ist einfach gut! Da passiert was anderes. Der Mitarbeiter wird mit sich und der Umwelt zufrieden, der Mitarbeiter glaubt, dass Sie mit ihm auch zufrieden sind. Und alle sind zufrieden. Toll!?!

Muss eine Führungskraft einen Mitarbeiter „glücklich“ machen?

Sie als Führungskraft haben aber nicht die Aufgabe, Mitarbeiter „glücklich“ zu machen oder „zufriedene Mitarbeiter“ zu produzieren. Weit gefehlt!

Stellen Sie sich vor, Sie hätten lauter zufriedene Mitarbeiter! Kein Mensch würde Kritik äußern, kein Mensch würde von sich aus etwas ändern. Langfristig betrachtet ist das das „Aus“ jeder Firma! Keine neue Idee, kein KVP, kein neues Produkt, keine Innovation. Wollen Sie das?

Sie brauchen „unzufriedene“ Mitarbeiter, Sie brauchen Mitarbeiter, die den Mund auch mal aufmachen, Sie brauchen Mitarbeiter, die brennen, Neues zu tun, Sie brauchen Mitarbeiter, die Sie fordern.

Wenn Sie einen Mitarbeiter in Ihrer Abteilung haben, den Sie immer wieder loben, weil er seine Arbeit gut macht (und es auch noch stimmt) wird er auf Sie zu kommen, die rechte Handinnenfläche entgegen strecken und Sie freundlich fragen: „Und was krieg ich dafür?“ – Pause, Pause – „Loben Sie mich nicht nur, sondern zeigen Sie mir die Anerkennung auf meiner Gehaltsabrechnung.“

Das dürfte auch ein der Gründe sein, die Chefs dazu legitimieren, kein Lob auszusprechen. Sie vermuten oft das „Böse“, das „Unangenehme“. Der „Gelobte“ will nur mehr Geld, also lasse ich es lieber gleich bleiben.

Also, wenn Sie schon loben, dann sollte das Lob folgenden Kriterien stand halten:

Wenn Sie loben, dann ...

Ein Lob …

  1. … muss aufrichtig sein
    Mitarbeiter haben gute Antennen. Sie merken schnell, ob das ausgesprochene Lob auch so gemeint ist oder nur aus falschem Pflichtbewusstsein hölzern vorgetragen wird.
  1. …muss zeitnah sein
    Warten Sie nicht auf das jährliche Mitarbeitergespräch, um das Lob auszusprechen. Passen Sie den genauen Zeitpunkt ab, solange die gute Tat noch präsent ist.
  1. … will verdient sein
    Oft wird ein Lob ausgesprochen, um danach weitere Arbeit „abzuladen“ und der Mitarbeiter sich dagegen nicht wehren kann. Hüten wir uns vor dieser Art des Lobens. Sie ist gefährlich.
  1. … gibt es nur für erwünschtes Verhalten
    „Herr Maier (Mitarbeiter des Unternehmens), gut, dass Sie nicht auf unserem Kundenparkplatz geparkt haben“. Das wäre Lob für ein nicht erwünschtes Verhalten.
  1. … gibt es auch für scheinbar Selbstverständliches
    Das haben Sie in der gewohnten hohen Qualität geliefert. Das zeichnet Sie aus. Gut gemacht, vielen Dank. Auf Sie kann man sich verlassen.
  1. … muss eindeutig, ehrlich und herzlich sein
    Machen Sie keine Pauschalaussagen, verwenden Sie keine Worthülsen, übertreiben Sie es nicht und verstellen Sie sich nicht.
  1. … sollte im Normalfall unter vier Augen ausgesprochen werden

Bitte verstehen Sie diese Ausführungen nicht falsch. Loben Sie Ihre Mitarbeiter, so oft es geht. Erwischen Sie ihre Mitarbeiter beim „Gut sein“. Wir brauchen ein gutes Betriebsklima, wir brauchen Mitarbeiter, die gern zur Arbeit kommen, wir brauchen keine Querulanten in der Abteilung, wir wollen keine Dauernörgler, wir brauchen keine satten Mitarbeiter. Aber Unzufriedenheit fördert Veränderung, fordert Verbesserung, bringt Innovationen, die langfristig das Überleben einer Firma sichern. Nutzen Sie die Power von noch unzufriedenen Mitarbeitern, die den Mut haben, dies auch noch zu äußern. Das schönste Lob ist es, wenn Mitarbeiter sehen, dass ihre Impulse nicht ohne positive Wirkung bleiben.

Und die Moral von der Geschicht´: Kritik ist mindestens so wichtig wie Lob.

Zum Abschluss

Lob ist ein Wein, der Starke kräftigt und Schwächlinge berauscht.“
Verfasser (uns) unbekannt

„Gegen Angriffe kann man sich wehren. Gegen Lob ist man machtlos.“
Sigmund Freud, (1856 – 1939), österreichischer Psychiater und Begründer der Psychoanalyse

„Man bekommt gewissermaßen einen Anteil an der edlen Tat, indem man sie aufrichtig lobt.“
François VI. Duc de La Rochefoucauld, (1613 – 1680), französischer Offizier, Diplomat und Schriftsteller

Das waren einige Impulse zum vielschichtigen Thema „Loben Sie Ihre Mitarbeiter“.

Ich freue mich, wenn Sie das nächste Mal wieder Impulse der Schulik Management Beratung aufnehmen, wenn es um´s Thema „richtig kritisieren – ohne zu demotivieren geht.

 Es grüßt Sie Ihr Führungstrainer Stefan Schulik

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Podcast Folge #007

Loben von Mitarbeitern

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