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Zuhören Lernen: 6 Tipps Für Besseres Zuhören – Podcast Folge #033

Zuhören lernen: 6 Tipps für besseres Zuhören – Podcast Folge #033

Was brauchen Sie, um gut zuhören zu können. Da fangen sie am besten bei sich selbst an – nicht bei Ihrem Gesprächspartner.

Wenn Führungskräfte sagen: „Ich versteh Sie nicht. Sie verhalten sich komisch. Sie machen da was falsch.“ – dann ist höchste Eisenbahn. Lernen Sie mit diesen 6 einfachen Tipps, solche Aussagen zu vermeiden und zu einem guten Zuhörer zu werden.

Wir haben im letzten Podcast – Wie sie einfach lernen, aktiv zu zuhören – Podcast Folge #032 – verschiedene Qualitäten bzw. Stufen einer guten Zuhörtechnik behandelt. Heute nähern wir uns diesem Thema von einer anderen Seite.

Ich beginne gleich mit einigen Tipps für Sie. Tipps, um ein besserer Zuhörer zu werden.

6 Tipps zum Zuhören – Beginnen Sie bei sich selbst

Zuhören ist die Grundlage jeder menschlichen Kommunikation.

Tipp 1: Nehmen Sie sich Zeit, dem anderen zuzuhören.

Der Terminkalender ist voll, die geplanten Tätigkeiten sind straff eingetaktet. Zwei Bewerbungsgespräche, eine Besprechungen wegen einer Schieflage eines wichtigen Projektes, ein knapper Zeitblock, in denen Sie ihre eMails schnell checken. Dann steht das Regelmeeting mit der Abteilung an – sollte auch noch etwas vorbereitet werden, Erstellung einer Entscheidungsvorlage für die GL, usw.

Weitere Gefahren lauern im engen Zeitmanagement-Korsett. All diese angesprochenen Dinge torpedieren diesen ersten Tipp sich Zeit für den anderen, Zeit zum Zuhören nehmen.

Ein ungeplantes Telefonat, es ist dringend – sagt zumindest der Kunde. Das kann nicht verschoben werden. Ein Mitarbeiter erscheint nicht zur Arbeit. Was von dessen Arbeit kann liegen bleiben? Was duldet keinen Aufschub? Sind diese Dinge irgendwo hinterlegt, festgehalten, dokumentiert. Was muss ich unbedingt wissen.

Ach ja – und der Chef hat mich im Vorbeigehen angesprochen – er will auch was – natürlich gleich. Um was es geht, wissen Sie nicht.

Alltag? Normal? Und jetzt komm ich noch. Wie soll das alles unter einen Hut gebracht werden?

Trotzdem – ich bleibe dabei – dieser Tipp ist sehr ernst gemeint. Sie müssen zuhören. Es macht sehr viel Sinn, zu wissen, wie ihre Mitarbeiter denken, was sie umtreibt und beschäftigt. Es gibt nichts schlimmeres, wenn Mitarbeiter ihre Arbeit unwillig machen, sich ihnen der Sinn nicht erschließt. Ihre geschäftliche Gedankenwelt beeinflusst ihre Performance. Und nicht nur das. Welche Probleme kriegen ihre Mitarbeiter nicht gelöst, wo müssen Sie helfen, informieren, unterstützen, Impulse setzen – an welcher Stelle. Dazu ist zuhören angesagt.

Tipp 2: Nehmen Sie ihren Gesprächspartner ernst.

Was ihnen ihr Gesprächspartner sagt, ist – egal wie wichtig sie es empfinden oder bewerten – sehr wichtig. Wenn Sie ihm dabei ein gutes Gefühl geben – gehört zu werden, ernst genommen zu werden, ist das ein großer Teil ihrer Wertschätzung. Und wenn sie das auch wirklich so meinen, dann wird der Mitarbeiter merken, dass seine Meinung, sein Gefühl, seine Empfindung ernst genommen wird. Das ist dann mehr als nur „Beziehungspflege“. Sie demonstrieren: „Mir sind meine Mitarbeiter wichtig“. Da sind deren Aussagen, deren Blickwinkel eine gute Gelegenheit Bedürfnisse zu erkennen, zu lernen und zu zeigen, dass sie es eben ernst meinen.

Diese Maßnahme ist auch vertrauensbildend.

Vor einiger Zeit hatte ich ein schwieriges Mitarbeitergespräch bei einem meiner Kunden. Dort war ich Interims-Leiter für mehrere Monate. Bevor ich meine klare Ansage – dort war sie nötig geworden – hörte ich erst mal zu. Dabei kam sogar heraus, dass mein Mitarbeiter mir offen gesagt hat, dass er nicht ausgelastet ist.

Wie ehrlich von ihm. Sowas gelingt aber nur, wenn Sie ihr Gegenüber kennen, ihn als Mensch wertschätzen und sich den Zeit nehmen, ihn ernst nehmen und in dieser Haltung ihm auch zuhören. Sie glauben gar nicht, welche Ergebnisse dadurch zu erzielen sind. Und das sogar in einer Macht-Funktion – ich als Vorgesetzter – mit meinem Mitarbeiter.

Prüfen Sie sich mal, wer in der letzten Zeit zu Ihnen gekommen ist und seine Unterforderungen kundgetan hat.

Der Spruch „gehe nicht zum Fürst, wenn Du nicht gerufen wirst“ ist viel öfter in den Köpfen als man denkt.

Tipp 3: Hören Sie auch zwischen den Zeilen.

Wer das kann, kann vielen Konflikten aus dem Weg gehen. Sie können reagieren, bevor es eskaliert. Sie stellen fest, wenn sie zwischen den Zeilen hören, ob die Botschaft ankam. Sie lernen daraus präventiv Probleme zu umgehen.

Viele Menschen trauen sich nicht, die Dinge klar anzusprechen. Sie kreisen um das eigentliche Problem drum herum.

Sie können durch gezieltes Fragen und Zuhören auf die eigentlichen Ursachen des Problems gelenkt werden.

Zuhören zwischen den Zeilen bedeutet auch, dass Sie ihrem Gesprächspartner nicht nur ein oder idealerweise zwei Ohren zum Zuhören schenken. Wenn Sie ihr Gespräch nicht telefonisch führen, sondern Sie physisch auch noch anwesend sind, bringt das noch mehr Optionen mit sich, zwischen den gesprochenen Zeilen gut hören zu können.

Der Körper lügt nicht, so sagen es die Gurus für Körpersprache. Das ist zwar ein anderes Thema, das ebenfalls Bücher füllt, aber da ist meiner Erfahrung nach viel dran.

Einer von dem ich viel gelernt habe ist Samy Molcho. Es ist in Tel Aviv geboren. Hatte sich dann der Pantomime verschrieben und viele Bücher geschrieben, Seminar veranstaltet und das „Kommunikationsmittel“ Körpersprache faszinieren erklärt und interpretiert.

Von ihm ist dieser Spruch: „Der Körper lügt nicht“ – also empfehlenswert.

Wenn Sie die Mimik, Gestik und Körperhaltung, -bewegung lesen können, „hören“ sie förmlich, was Sie sehen. Sie sehen, ob das „Ja“ aus Überzeugung oder widerwillig über die Lippen kommt. Sie erkennen in der Körperhaltung schnell, ob sich Widerstand breit macht oder er offen ist. Sie merken, ob der Funke überspringt oder sofort erlischt. Sie lesen in seinen Augen, ob ein Glänzen zu erkennen ist, ob Freude oder Bedrücktheit die Oberhand gewinnt. Das sind kostenlose Zusatz-Infos, wenn Sie es schaffen, persönlich „da“ zu sein.

Tipp 4: Nehmen Sie den Blickwinkel des anderen einfach mal an.

Sie müssen dem ja nicht zustimmen, aber ihn – seinen Blickwinkel – zu hören, macht Sinn.

Wenn Sie als Führungskraft etwas beim Mitarbeiter bewegen wollen, dann müssen Sie zuerst reinhören, was ihn bewegt. Dieser Satz gefällt mir. Der ist gerade so entstanden:

Wer was beim Mitarbeiter bewegen will, muss wissen, was ihn bewegt.

Also nehmen Sie zuerst den Blickwinkel des anderen war. Sie brauchen ja nicht seiner Meinung sein – aber es wäre von Vorteil, wenn sie diese erst mal kennen, bevor Sie reden und insbesondere, wenn es etwas zu entscheiden gibt.

Entscheidungen fällen auf Basis von zu wenig Information, Halbinformationen können durchaus schief gehen. Aber wenn Sie die Denke des Gegenübers kennen, können Sie entsprechend steuern, sogar gegensteuern, weitere Informationen geben, ihn überzeugen oder ihre eigene Meinung / Bewertung bereichern, korrigieren, optimieren – oder einfach auch bestätigt wissen. Das hat auch was.

Tipp 5: Akzeptieren Sie, dass Ihre Sehens weise nicht unbedingt die richtige Sehens weise ist.

Es kann eine Bereicherung sein, andere Standpunkte zu erkennen und daraus Neues zu generieren.

Wer sagt denn von sich, dass er alles weiß, alles kann. Wir lernen doch dauernd irgendetwas Neues. Und wenn es – pessimistisch ausgedrückt – nur schlechte Erfahrungen wären (die auch sehr nützlich sind). Daraus kann wieder Besseres entstehen, mit dem Ziel einmal gemachte Fehler nicht nochmals produzieren.

Wir reden gern von Fakten, von ZDF (Zahlen, Daten, Fakten). An diesen sind nicht zu rütteln. Sie schaffen Tatsachen. Und doch dreht sich die Welt nicht nur darum. Es geht oft viel mehr um die Interpretation dieser Fakten. Es sind die Meinungen zu den Fakten. Es geht um die Bewertung dieser Zahlen. Ich mache ein einfaches Beispiel.

Der Vertriebsleiter verkündigt die Monats-Zahlen des Auftragseingangs. Er zeigt ein Chart, indem die letzten drei vergangene Monate.

Die Steigerung des Auftragseingangs aus dem aktuellen Monat im Vergleich zum Vormonat beläuft sich auf 3,5 % – geplant waren aber 5%. Es wird darauf hin eine Sitzung einberufen, wie ab sofort noch mehr getan werden soll, um Abschlüsse zu generieren und im Folgemonat das Soll zu erreichen. Grundsätzlich ist das ja angebracht. Die Zahlen sprechen hier eine eindeutige Sprache. Die Basis der Zahlen ist völlig berechtigt – oder?

Es könnte aber auch sein, dass die 3,5%-Steigerung aus einer mühevollen, intensiven Arbeit am Kunden, am Markt, an neu generierten Leads entstanden ist. Alle Mitarbeiter im Team habe eine „extra“ Schippe an Arbeit drauf gelegt.

Und jetzt kommt der Chef und ist unzufrieden, weil die Quote nicht erreicht wurde.

Welche „Botschaft“ erzeugt er nun bei seinen Mitarbeiter, die für diesen Erfolg sich abgerackert haben. Es ist die Frage berechtigt, „Was tun die Mitarbeiter in Zukunft“.

Keine anerkennenden Worte an dem kleinen Erfolg. Kein positiver Impuls, keine Wertschätzung.

Klar, es kann genau genommen auch umgekehrt sein. Die Mitarbeiter haben nur Dienst nach Vorschrift gemacht. Die 3,5% sind ihnen zufällig, glücklicherweise – im wahrsten Sinne des Wortes „zugefallen“.

Ich will damit sagen, „ZDF“ ist gut, reicht aber nicht aus. Eine Führungskraft hat hier sehr wohl zu differenzieren. Dazu muss sie am Ball, am Puls des Teams sein, um die Ergebnisse zu interpretieren und zu bewerten. Sie muss wissen, wie die Zahlen entstanden sind. Und dafür bedarf es auch gerne mal einer anderen Sichtweise als die der eigenen.

Das steht hinter dem Tipp „Akzeptieren Sie als Führungskraft, dass Ihre Sehens weise nicht unbedingt die richtige Sehens weise ist“

Damit erklärt es auch den Übergang zum letzten Tipp:

Tipp 6: Ihr Wissen basiert nur auf ihrer persönlichen Wahrnehmung.

… und Wahrnehmung ist nicht gleich Wahrheit.

Im fünften Tipp ging es gerade um den Blickwinkel von außen, von anderen, von dritten Personen. Diese Blickwinkel sind wertvoll und schaffen die Voraussetzung dafür, seine eigene Wahrnehmung …

  • zu bestätigen
  • zu korrigieren
  • zu bereichern
  • zu ändern

Die Bereitschaft dies zu tun, öffnet ungeahnte Potentiale in der Mitarbeiterführung.

Dies stärkt und schärft den eigenen Blick – von innen heraus. Das hilft, bessere, belastbare Entscheidungen zu fällen, das sichert einem die persönliche Überzeugungskraft, stärkt das eigene Bewusstsein und lässt einen auch in schwierigen Zeiten ruhig und souverän handeln.

Jetzt ist mir dieses Wort „schwierige Zeiten“ über die Lippen gekommen – darüber habe ich auch einen Podcast gemacht:
Mitarbeiter führen in schwierigen Zeiten – Podcast Folge #022. Diesen finden Sie auch auf Spotify, iTunes oder YouTube.

Ich fasse zusammen. Wenn Sie als Führungskraft ein guter Zuhörer sein wollen, dann sind diese sechs Tipps eine gute Grundlage für Sie:

 Nehmen Sie sich Zeit, dem anderen zuzuhören

  1. Nehmen Sie ihren Gesprächspartner ernst
  2. Hören Sie auch zwischen den Zeilen
  3. Nehmen Sie den Blickwinkel des anderen einfach mal an
  4. Akzeptieren Sie, dass Ihre Sehens weise nicht unbedingt die richtige Sehens weise ist
  5. Ihr Wissen basiert nur auf ihrer persönlichen Wahrnehmung

So, jetzt ist es auch mal Zeit, Ihnen Danke zu sagen, dass Sie meine Podcasts hören. Sie beweisen damit, dass Sie zuhören können (😀). Und das ist gut so und freut mich sehr. Bleiben Sie dran, lassen Sie sich überraschen, was als nächstes kommt. Leihen Sie mir auch nächste Woche wieder ihr Ohr und hören Sie zu, hören Sie genau hin und holen Sie sich das raus, was Sie brauchen, um eine erfolgreiche, empathische, kalkulierbare und wirkungsvolle Führungskraft zu sein.

Zum Schluss noch was zum Nachdenken:

Mit dem Zuhören haben Sie einen super guten Start hingelegt. Das ist aber nicht das Ende,

denn …

  • Gehört haben, heißt noch lange nicht verstanden haben
  • Verstanden heißt noch nicht einverstanden
  • Einverstanden heißt noch nicht getan
  • Getan heißt noch nicht beibehalten

Es bleibt also spannend.

Ihr Stefan Schulik

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Podcast Folge #033

zuhören, aufhören, hinhören

6 gute Zuhörtipps

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